Mein Aufenthalt in Norwegen - Ein einmaliges Erlebnis
Ein anderes Land, eine andere Sprache und eine neue Umgebung: Das durfte ich während meiner Erasmus+ Langzeitmobilität in Lillestrøm, nahe Oslo, erleben. Für dreieinhalb Monate hatte ich die Möglichkeit, den norwegischen Alltag sowie das Schulsystem kennenzulernen.
Bereits bei meiner Ankunft im Januar war ich von der Natur und den märchenhaften Schneelandschaften fasziniert. Ich hatte das Glück, direkt warmherzig von meiner Gastfamilie und meinen neuen Klassenkameraden aufgenommen zu werden. Vor allem meine Mitschüler waren sehr an dem Leben in Deutschland interessiert.
Der Schulalltag war deutlich anders, zum Beispiel durch die fortgeschrittene Digitalisierung. Während bei uns am GSGB viele noch mit Stift und Papier arbeiten, sah das in Norwegen schon ganz anders aus. Zwar nutzen die Schüler keine Tablets, wie es hier häufig der Fall ist, dafür sind aber Laptops verpflichtend. Mich persönlich hat es überrascht, keine digitalen Tafeln in den Klassenräumen zu sehen, sondern Whiteboards und Beamer. Jede Klasse hatte festgelegte Sitzpläne, die häufig gewechselt wurden. Trotzdem war der Schulalltag deutlich lockerer: Kaugummi kauen und Essen im Unterricht waren genauso erlaubt wie Musikhören, was wir am GSGB meist nur in Arbeitsphasen im Kunstunterricht dürfen.
Apropos Kunstunterricht, mein Stundenplan sah in Norwegen ganz anders aus: Weder Kunstnoch Musikunterricht wurden angeboten. An die Stelle von Latein trat Deutsch als mögliche zweite Fremdsprache, wobei sonst auch Spanisch und Französisch zur Auswahl standen. Jedoch unterschied sich das Niveau hier erheblich, da die Schüler erst ab der achten Klasse mit der zweiten Fremdsprache anfangen. Die einzelnen Naturwissenschaften werden in einem einzigen Fach kombiniert, genau wie für das Fach Sozialwissenschaften. Lediglich der Erdkundeunterricht ist ein eigenes Fach.
Mein Schultag begann regulär um 8:10 Uhr und endete um 15:30 Uhr. Dazwischen hatte ich täglich eine einstündige Mittagspause von 11:20 Uhr bis 12:20 Uhr, in der meine Mitschüler und ich meist in Supermärkte oder das lokale Einkaufszentrum gegangen sind. Nach der Schule oder während unserer Freistunden gingen wir oft in die Stadtbibliothek, die sehr modern und gemütlich gestaltet ist. Zwischen den einzelnen Fächern gab es zusätzlich zehnminütige Pausen und nach 45 Minuten fünf- bis zehnminütige Pausen.
Ich hatte den Eindruck, dass meine Klasse sozialer und offener war. Es gab keine vereinzelten Cliquen, jeder war mit jedem befreundet, was natürlich nicht auf alle Klassen zutraf, aber mein Erlebnis verbesserte und vereinfachte. Das Leben in einer Gastfamilie zeigte mir den norwegischen Alltag genauer, vor allem, was die Kulinarik anging. Zu Beginn war ich ehrlich gesagt von den Mahlzeiten verwirrt. Zum Frühstück und Mittag gab es kaltes Essen und erst zum Abendbrot wurde ‚warm gekocht‘. Allerdings gab es bereits um 16-17 Uhr Abendessen. Was mich daran verwirrt hat, war, dass das Abendessen „Middag" heißt, was dem Deutschen „Mittag" ähnelt. Überraschend fand ich außerdem, wie verbreitet mexikanisches Essen in Norwegen ist. Sogar die kleinsten Supermarktfilialen hatten eine mexikanische Abteilung und in einigen Familien, wie auch bei meiner ersten Gastfamilie, gab es den Taco-Freitag. Das mexikanische Essen hatte jedoch meist einen norwegischen Touch, zum Beispiel Taco mit Lachs.
Zum Thema Nachhaltigkeit kann ich sagen, dass oft öffentliche Verkehrsmittel genutzt werden, was auch auf mich während meines Aufenthaltes zutraf. E-Autos und Ladestationen sind sehr weit verbreitet und obwohl die vegane und vegetarische Auswahl überraschenderweise geringer ist als in Deutschland, kommt man gut zurecht.
Norwegen ist ein sehr offenes Land, dass sowohl kulturell als auch naturell Einiges zu bieten hat. Ich hatte das Glück, nette Menschen kennenzulernen, neue Bekanntschaften zu schließen und über den eigenen Tellerrand zu schauen.


